Zwei Drittel der Deutschen fordern mehr Tierschutz von Bundesregierung

Zwei Drittel der Deutschen fordern mehr Tierschutz von Bundesregierung

Ergebnisse des Tierschutz-Barometers von Humane World for Animals

Mehr als 70 Prozent fordern bundesweite Kastrationspflicht für Freigänger: Katze während Kastrationsaktion in Schleswig-Holstein. Foto: Micki Rosi Richter / Humane World for Animals

Tierschutz ist ein parteiübergreifendes Anliegen, doch die Enttäuschung mit der aktuellen Bundesregierung ist besonders groß.

Für mehr als 80 Prozent der Deutschen ist Tierschutz wichtig oder sogar sehr wichtig. Fast zwei Drittel (62,3 Prozent) erwarten von der aktuellen Bundesregierung mehr Engagement für den Tierschutz. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Tierrechtsorganisation „Humane World for Animals“ unter Bundesbürgerinnen und -bürgern ab 18 Jahren.

Auch viele Unions-Wähler:innen unzufrieden mit Tierschutzbilanz von Schwarzrot

Während vor allem Wähler:innen von Bündnis90/Die Grünen (77,4 Prozent) und der Linken (76,4 Prozent) ein stärkeres Engagement der schwarzroten Bundesregierung fordern, sind auch die befragten Unions-Wähler:innen alles andere als zufrieden. Fast die Hälfte (49,4 Prozent) der Wähler:innen der CDU/CSU möchte ebenfalls, dass die Bundesregierung im Bereich Tierschutz deutlich aktiver wird. Verantwortlich für den Tierschutz der Bundesregierung sind Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium Rainer.

Eindeutiges Meinungsbild für eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen. Quelle: Humane World for Animals

Deutlich ist das Meinungsbild der Befragten auch zum Thema Kastration von Freigängerkatzen – 71,3 Prozent befürworten diese bundesweit. Umgesetzt ist dies bislang erst in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie im Saarland. Schleswig-Holstein soll in diesem Sommer im Zuge der Katzenschutzverordnung folgen. Das klare Ergebnis hinsichtlich einer Kastrationspflicht kontrastiert mit dem Bewusstsein für das Leid der Straßenkatzen: Nur 38,7 Prozent der Befragten sind um sie besorgt oder sehr besorgt. Das Leid der Straßenkatzen bleibt das große verborgene Tierschutzproblem.

Mehr als 70 Prozent wollen bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen

„Unser Humane World for Animals Tierschutz-Barometer zeigt: Die Menschen sind der Politik weit voraus. Tierschutz hat einen festen Platz in der Mitte der Gesellschaft und genießt breite Unterstützung, auch jenseits parteipolitischer Grenzen“, sagt Sylvie Kremerskothen Gleason, Landesdirektorin von Humane World for Animals Deutschland: „Es gibt ein klares Mandat für die Tiere, das unsere politischen Entscheidungsträger:innen ernst nehmen müssen, wenn sie dem Willen ihrer eigenen Wähler:innen und Bürger:innen entsprechen wollen."

Das Interesse der Bundesbürger:innen beschränkt sich dabei nicht nur auf Haustiere. 81,5 Prozent der Befragten sprechen sich etwa für ein Etikett auf verarbeiteten Lebensmitteln wie Nudeln, Backwaren oder Fertiggerichten aus, aus welcher Haltung eventuell verwendete Eier stammen. Zwei Drittel (66,3 Prozent) unterstützen die Forderung, die Steuern auf Fleisch aus Haltungsformen mit niedrigen Tierschutzstandards zu erhöhen, wenn die zusätzlichen Steuereinnahmen zur Förderung von tierfreundlicheren Haltungsbedingungen verwendet werden.

79,2 Prozent der Befragten fordern, dass sich Deutschland aktiv für ein EU-weites Verbot der Pelztierindustrie einsetzt. Die letzte Pelztierfarm schloss in Deutschland zwar im Jahr 2019, doch nicht wegen eines generellen Verbots, sondern aufgrund strikterer Vorschriften.

„Exoten“ als Haustiere: 80 Prozent wollen Positivliste

Auch beim Schutz von Wildtieren wünschen sich die Befragten mehr politische Führung: 80,6 Prozent befürworten eine einheitliche EU-Regelung, die klar definiert, welche Tierarten überhaupt als Haustiere gehalten werden dürfen, basierend darauf, ob ihre Bedürfnisse in einem Privathaushalt angemessen erfüllt werden können. Der Der Deutsche Tierschutzbund fordert seit langem eine solche „Positivliste“, die insbesondere den Online-Handel mit sogenannten „Exoten“ wie Reptilien, Amphibien und Vögeln unterbindet.

Und last but not least: Mehr als zwei Drittel der Befragten (67,8  Prozent) unterstützen die schrittweise Abschaffung von Tierversuchen in Deutschland. 79,4 Prozent fordern mehr Investitionen in Entwicklung und Akzeptanz tierleidfreier Testmethoden.

Alle Ergebnisse des Humane World for Animals Tierschutz-Barometers 2026 finden sich hier.

 

 

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