Wildkatze zurück in Vorpommern
Nordöstlichstes Vorkommen
Nach dem Fund im Herzogtum Lauenburg im vergangenen Herbst und einem weiteren an der mecklenburgischen Müritz 2024 wurde die Wildkatze nun auch im äußersten Nordosten Deutschlands nachgewiesen.
Die Wildkatze ist nun auch zurück in Vorpommern. Der Deutschen Wildtier-Stiftung gelang der Nachweis auf stiftungseigenen Flächen im uckermärkischen Strasburg (Landkreis Vorpommern-Greifswald). Die Wildkatze galt hier seit rund zwei Jahrhunderten als verschollen oder ausgestorben. Bereits 2024 war der genetische Nachweis einer Wildkatze an der mecklenburgischen Müritz gelungen. Und im vergangenen Herbst war die Rückkehr der Wildkatze nach Schleswig-Holstein – konkret ins Herzogtum Lauenburg – dokumentiert worden. Der Fund in Vorpommern ist jetzt das nordöstlichste Wildkatzen-Vorkommen in Europa.
Bereits seit drei Jahren bestand der Verdacht, dass es auch in der Uckermark wieder Wildkatzen geben könnte. Wildkameras hatten auf den Stiftungsflächen in Vorpommern erste verdächtige Aufnahmen geliefert. Nun jedoch gelang der tatsächliche genetische Nachweis: An sechs verschiedenen Standorten innerhalb eines Waldgebietes konnte eine Wildkatze nachgewiesen werden. „Dieser Fund ist sensationell“, sagt Malte Götz, Biologe bei der Deutschen Wildtier-Stiftung. „Noch vor wenigen Jahren hätte kaum ein Experte erwartet, dass Wildkatzen jemals wieder so weit im Nordosten Deutschlands auftauchen würden – nur rund 50 Kilometer von der Ostsee entfernt.“
Der genetische Nachweis in Vorpommern gelang per Lockstock-Monitoring, also durch mit Baldrian präparierten Holzstäben, denen die Wildkatzen nicht widerstehen können und sich an ihnen reiben.
Wildkatzennachweis erfordert viel Geduld
„Eine Wildkatze nachzuweisen, erfordert viel Geduld“, erklärt Kathrin Mayer, Leiterin Naturschutz auf Gut Klepelshagen, einem Modellbetrieb der Deutschen Wildtier-Stiftung für wildtierfreundliche Landnutzung. Man müsse die Lebensräume der Wildkatze genau kennen, um die Lockstöcke genau dort zu platzieren, wo die Tiere ihre Streifzüge unternähmen: „Duftende Lockstoffe wie Baldrian wirken bei Katzen nur auf geringer Distanz und nicht über Hunderte Meter weit wie etwa bei Füchsen.“
Laut Laborergebnissen handelt es sich in Vorpommern um einen Kater, der sich offenbar über mehrere Wochen auf einer Fläche von rund zwei Quadratkilometern aufhielt. Ob der Kater diese Flächen als Bestandteil eines festen Reviers nutzt, ist laut Wildtier-Stiftung noch nicht sicher. Die Streifgebiete männlicher Wildkatzen umfassen in der Regel 30 bis 60 Quadratkilometer. Weitere Erhebungen sollen nun zeigen, ob der Kater bereits Anschluss zu anderen Wildkatzen hat.
„Ob die Wildkatze in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich ausgestorben war oder nur einzelne Tiere unentdeckt überdauert haben, ist unklar“, sagt Malte Götz. „Sicher ist jedoch: Die aktuellen Nachweise zeigen, dass die Art auch im Nordosten Deutschlands in naturnahen Wäldern wieder geeignete Lebensräume vorfindet."

Wildkatze im Wisentgehege Springe. Foto: Michael Gäbler, CC BY 3.0