Werden die Kieler Seehunde getötet?

Werden die Kieler Seehunde getötet?

Geomar-Direktorin schreckt die zögerliche Lokalpolitik auf

Seehund im Kieler Aquarium (2024): Die Politiker der Landeshauptstadt scheuen die Kosten. Foto: Lukas Schröder/ GEOMAR (CC BY 4.0)

Das Land Schleswig-Holstein will der Stadt Kiel das bekannte Aquarium an der Kiellinie schenken. Doch die zögert. Was wird aus den vier Seehunden und 1.000 Fischen?

In Kiel ist eine Diskussion um das bisher beim Geomar-Zentrum für Meereskunde angesiedelte Seehund-Aquarium an der Kiellinie entbrannt. Der Hintergrund: Nach dem Umzug des Geomar ans Ostufer bietet das Land der Stadt die kostenlose Übernahme des Aquariums an. Doch die Stadt zögert. Denn das Land verknüpft sein Geschenk mit der Umsetzung des geplanten Meeresvisualisierungszentrums (MVZ) auf dem Gelände an der Kiellinie. Die Kostenschätzungen für das MVZ schwanken mittlerweile zwischen 80 und 110 Millionen Euro. Daneben rechnet Kiel mit jährlichen Unterhaltskosten von 360.000 Euro für das Aquarium. Bis das MVZ gebaut wäre, kämen damit wohl mindestens zwei Millionen Euro zusätzliche Kosten auf die Stadt zu. Viel Geld für die klamme Landeshauptstadt, die unter anderem auch eine kostspielige Stadtbahn plant.

In dieser Situation ließ Geomar-Direktorin Katja Mattes auf einer Sitzung des Kieler Umweltausschusses die Bombe platzen: Sollte Kiel das Aquarium nicht wie geplant übernehmen, müssten „vier Seehunde und 1.000 Fische getötet werden.“ Tierschützern kommt dabei gleich die Tötung der zwölf Nürnberger Paviane im vergangenen Jahr in den Sinn.

„Tötung tierschutzrechtlich nicht zulässig“

Auch die Lokalpolitiker zeigten sich nach der Sitzung betroffen, wollten dem Druck dennoch nicht so ohne weiteres nachgeben. Zumal im Anschluss seitens des GEOMAR die Aussage der Direktorin wieder relativiert wurde. Eine Tötung sei „tierschutzrechtlich nicht zulässig“, sagte Aquariumsleiter Armin Form.

Auf der anderen Seite aber, so Form gegenüber den Kieler Nachrichten, sei auch eine Auswilderung der Seehunde unmöglich, da die Tiere in Gefangenschaft geboren wurden. Und sie in anderen Einrichtungen unterzubringen, sei sozial riskant: „Es könnte zu Kämpfen zwischen den Tieren kommen.“

Kommt das MVZ noch?

Das Kieler Aquarium gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Landeshauptstadt. Rund 100.000 Menschen wollen pro Jahr die Kieler Seehunde sehen, die über eine Pipeline direkt mit Ostseewasser aus der Kieler Förde versorgt werden. Allerdings gibt es Gerüchte, dass das 1972 errichtete und 2008 umgebaute Seehundbecken sanierungsbedürftig ist. Geomar-Direktorin Mattes sagte vor dem Ausschuss, bis zum Bau des MVZ halte auch das Aquarium durch, das eigentlich perspektivisch in das neue Meereszentrum intergiert werden soll.

Allerdings wachsen in der Kieler Politik offensichtlich auch die Zweifel, ob das MVZ wirklich noch finanzierbar ist. Das letzte Kapitel dieser Debatte ist sicher noch nicht geschrieben. Bleibt zu hoffen, dass die Tiere des Aquariums nicht zu leiden haben.

Das Kieler Geomar-Aquarium im Jahr 2018: Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Foto: Jan Steffen/GEOMAR (CC BY 4.0)

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