Weltkatzentag: Zwischen Liebe und Qual

Weltkatzentag: Zwischen Liebe und Qual

Kaum ein Tier profitiert und leidet so sehr unter dem Menschen wie die Katze

Mehr als 15 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten. Foto: Monique Laats/Pexels

Am 8. August begehen wir den Weltkatzentag und feiern das beliebteste Haustier der Deutschen – die Hauskatze. Doch es gibt beileibe nicht nur Grund zum Feiern.

Katzen sind das beliebteste Haustier in Deutschland. Mehr als 15 Millionen Kätzinnen und Kater leben in deutschen Haushalten. Zugleich gehören Hauskatzen zu den am meisten gequälten Kreaturen im Land. Nur findet das meist im Verborgenen statt.

Etwa auf Bauernhöfen, auf denen der Bauer für eine Kastration nur ein müdes Lächeln übrig hat. Und womöglich auf eine „traditionelle“, ganz und gar tierschutzwidrige Art und Weise für eine Bestandsbegrenzung sorgt. Manch Landwirt, der seinen Betrieb auch als Feriendomizil betreibt, treibt aber auch das Spiel mit dem Nachwuchs auf die Spitze und hält für seine Gäste gezielt Kitten vor. Sommer für Sommer, ex und hopp.

Katzenelend auf Bauernhöfen und Industriebrachen

Auch auf Industriebrachen, in Parks und auf Friedhöfen führen wie in der Landwirtschaft zahlreiche kranke und ausgehungerte Katzen ein Schattendasein. Meist ist es ein Kampf ums Überleben. Kaum ein Tier wird zwei Jahre alt, oft nicht einmal erwachsen. Zum Vergleich: In verantwortungsbewusster und liebevoller Haltung kann eine Katze 20 Jahre alt werden.

Jäger:innen sind neben Hunger und Krankheit die dritte Geißel der Straßenkatzen. Denn wenn eine Katze sich weiter als 200 Meter vom nächsten Haus entfernt, gilt sie in Schleswig-Holstein der „Wilderei“ verdächtig und darf geschossen werden. Die räumliche Einschätzung und diejenige über das tatsächliche Tun der Katze ist dabei allein der subjektiven Einschätzung des/der jeweiligen Jägers oder Jägerin überlassen. Dieser subjektiven Einschätzung auf Leben und Tod ist neben hungrigen Straßenkatzen auch schon so manch geliebte Heimkatze zum Opfer gefallen.

In Schleswig-Holstein dürfen Katzen immer noch geschossen werden

2580 Katzen sind zuletzt in einem Jahr in Schleswig-Holstein von Jäger:innen erschossen worden. Hier kann Nordrhein-Westfalen als Vorbild genannt werden: Seit 2015 sind Katzen dort aus dem Jagdrecht gestrichen und dürfen nicht mehr geschossen werden. Eine Regelung, die der Landesjagdverband in Schleswig-Holstein kategorisch ablehnt. Überflüssig zu erwähnen, dass der Landesjagdverband gute Verbindungen in die Politik hat.

Auch Hobbyzüchter sind keine echten Katzenfreunde. Um den schnellen Euro zu machen, vermehren sie vor allem gehypte Rassen wie Maine-Coon, Siam, Perser oder gar Qualzuchten wie Faltohr- oder Nacktkatzen. Nebenbei heizen sie den Onlinehandel mit Katzenwelpen an.

Dazu kommen noch Katzenhalter:innen, die ihre Tiere aus Nachlässigkeit nicht kastrieren lassen. Sind es Kater, bemerken die Halter:innen meist nichts von den Folgen. Sind es Katzen, gibt es auf einmal ungewollten Nachwuchs.

Verantwortungsbewusste Halter:innen kastrieren ihre Katzen

Verantwortungsbewusste Katzenhalter:innen kastrieren ihre Tiere. Denn nur so lässt sich garantieren, dass nicht auch die Freigängerkatze zum Katzenelend auf Straßen und Brachflächen beiträgt. Und zu überfüllten Tierheimen.

In Schleswig-Holstein allein sollen mindestens 50.000 bis 75.000 Straßenkatzen leben. Die Zahlen sind alt, niemand weiß, ob sie noch stimmen.

Am 28. Februar beschloss der schleswig-holsteinische Landtag in Kiel einstimmig die Einführung einer Katzenschutzverordnung mit Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflicht. Die schwarz-grüne Regierungskoalition hatte sich dieser Forderung des Tierschutzes jahrelang mit fadenscheinigen Argumenten verschlossen.

Ein erster Erfolg: Katzenschutzverordnung beschlossen

Der Kehrtwende war die Bildung einer widersprüchlichen Zweckkoalition vorausgegangen, denn plötzlich schwenkte auch der Landesjagdverband auf diese Linie ein. Mutmaßlich, um aus seiner Sicht Schlimmeres – das Abschussverbot angeblich streunender Katzen – zu vermeiden. Die Jagdlobby beklagt generell wortreich das Schicksal von Wildtieren, die streunenden Katzen zum Opfer fielen, sieht in den Katzen jedoch meist nur eins: unliebsame Jagdkonkurrenz. Immerhin: Durch die Katzenschutzverordnung erhofft sich auch der Landesjagdverband eine Begrenzung der Population ausgewilderter Hauskatzen.

Fast zeitgleich hatte Hamburg die Einführung einer entsprechenden Katzenschutzverordnung zum 1. Januar 2026 beschlossen. Ein entsprechender Beschluss besteht in Niedersachsen bereits seit 2023, ist aber bislang nicht umgesetzt worden. Auch Berlin, Bremen und das Saarland haben landesweit gültige Katzenschutzverordnungen. Schleswig-Holstein schließt sich also einer breiten Bewegung an.

Straßenkatzen erleben wenig Liebe, sind meist krank und sterben früh. Foto: Deutscher Tierschutzbund

In den vergangenen fünf Monaten ist die Umsetzung allerdings noch nicht weit gekommen. Ob die Katzenschutzverordnung wie in Hamburg zum 1. Januar kommenden Jahres tatsächlich eingeführt werden kann, steht in den Sternen. Laut zuständigem Landwirtschaftsministerium ist „aufbauend auf Sondierungsgesprächen mit Vertreterinnen der kommunalen Landesverbände sowie den Veterinärbehörden der Kreise und kreisfreien Städte“ ein erster Entwurf der Verordnung erarbeitet worden, der nun in formalen Anhörungen mit Tierschutzorganisationen und Jagdverbänden weiter beraten werden soll. Bislang allerdings hat der Landesverband Schleswig-Holstein des Deutschen Tierschutzbundes noch keine solche Einladung erhalten.

Wann wird die Katzenschutzverordnung umgesetzt?

Konkrete Angaben zum Inhalt der Katzenschutzverordnung, die über die bekannten Eckpunkte Kennzeichnung, Registrierung und Kastration hinausgehen, macht das Ministerium dementsprechend noch nicht. Ein Erlass der Verordnung sei zwar für „Anfang 2026“ vorgesehen – auf die Nachfrage allerdings, ob dies parallel mit dem benachbarten Hamburg zum 1. Januar geschehen könne, will sich das Ministerium nicht einlassen.

Landesweite Katzenschutzverordnungen sind ein großer Erfolg für das beliebteste Haustier der Deutschen. Doch der Deutsche Tierschutzbund fordert eigentlich mehr – eine bundesweite Katzenschutzverordnung, die endlich dem Tierschutzgebot des Artikel 20a Grundgesetz nachkäme. Doch in Zeiten, in denen die Bundesregierung gänzlich andere Schwerpunkte setzt und die überhaupt erste Bundestierschutzbeauftragte – Ariane Kari – sang- und klanglos auf die Straße setzt, muss der Tierschutz sich wohl auch bei den Katzen zunächst einmal mit dem Spatzen in der Hand begnügen. Fortschritt gibt es offenbar nur Schritt für Schritt. Selbst für das beliebteste Tier im Land.  
Frank Behrens

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