EU-Behörde fordert Regeln für Putenzucht
Vorstoß der EFSA
Die europäische Lebensmittel-Überwachung fordert geringere Besatzdichte in der Putenzucht. Währenddessen steigt die Nachfrage nach Tofu im Januar in ungeahnte Höhen.
Die Putenzucht unterliegt bis heute in Deutschland keinen verbindlichen Regeln. Auf diese Tatsache weist der Deutsche Tierschutzbund hin. Im Rahmen der Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung hat die European Food Safety Authority (EFSA) nun aber eine wissenschaftliche Empfehlung zu Puten veröffentlicht. Sie hat die Tierschutzprobleme in der Putenhaltung analysiert und empfiehlt konkrete Maßnahmen. Die EFSA überwacht die Sicherheit von Lebens- und Futtermitteln in der Europäischen Union.
Franziska Hagen, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund, sieht die EFSA-Empfehlungen als „erneuten Weckruf“ an die Bundesregierung, in Deutschland endlich verbindliche Regeln für die Putenzucht einzuführen: „Eine Reduktion der Besatzdichte und Mindestanforderungen für die Beschäftigung der Tiere und zur Strukturierung des Stalls, wie sie die EFSA empfiehlt, wären ein erster Schritt in die richtige Richtung und würden auch das schmerzhafte Schnabelkürzen überflüssig machen.“
Extrem hohe Besatzdichte
Das Schnabelpicken der Tiere, auf das das Kürzen derselben eine Antwort ist, wird nämlich im Wesentlichen als Folge viel zu hoher Besatzdichten in der Putenhaltung gesehen. Die EFSA empfiehlt in ihrer „Scientific Opinion“ daher auch eine drastische Reduktion der Besatzdichte für Puten. Im Vergleich zu den Minimalvorgaben, die sich die Branche in Deutschland in einer freiwilligen Vereinbarung zur Haltung von Mastputen auferlegt hat, hätten Hennen und Hähne am Ende der Mast mehr als doppelt so viel Platz. Empfohlen wird außerdem eine Strukturierung des Stalls, das Angebot von organischem Beschäftigungsmaterial und ein Außenklimabereich.
Bislang sind alle Bekenntnisse und Maßnahmen zu besserer Haltung von Puten, wie sie auch von einigen Putenzuchtbetrieben in Schleswig-Holstein abgegeben werden, völlig freiwillig und folgenlos. Das heißt auch: Niemand kontrolliert eine Einhaltung von Regeln, da es bisher keine gibt.

Englische Bio-Puten aus Freilandhaltung. Foto: Martin Pettitt CC BY 2.0
„Veganuary“: Nachfrage nach Tofu gestiegen
Angesichts solcher Zustände in der Fleischindustrie ist es vielleicht doch einmal den Versuch wert, über vegane Ernährung nachzudenken. Im Januar haben dies weltweit 30 Millionen Menschen im „Veganuary“ gemacht. Auch mehr als 1.000 deutsche Unternehmen beteiligten sich an der Aktion. Das gesteigerte Interesse an veganen Produkten machte sich offenbar auch an leeren Regalen im Supermarkt bemerkbar: Medien berichteten im Januar von einer bundesweiten Tofu-Knappheit, die Rewe, Lidl und Edeka mit der erhöhten Nachfrage im „Veganuary“ erklärten.
Tofu statt Pute wäre also vielleicht eine Option für Menschen, die nach einem veganen Januar auf den Geschmack gekommen sind. Tofu gibt es übrigens auch geräuchert. Die Puten würden es danken.