Tierversuche: „wissenschaftlich absurd“

Tierversuche: „wissenschaftlich absurd“

24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche

Auch nicht-menschliche Primaten werden zu Tode gequält, um die Gifitgkeit von Substanzen zu testen. Ein wissenschaftlicher Anachronsimus. Foto: André Mouton / Pexels.

Neue Bilddokumente belegen Grausamkeit der Labortests – Aktionen unter anderem in Hamburg am 25. und 26. April.

Mehr als drei Millionen Tiere sind 2024 in deutschen Versuchslaboren gestorben. In Schleswig-Holstein wurden 2024 genau 37.002 Tierversuche durchgeführt. Fast alle dabei „verwendeten“ Tiere fanden den Tod, meist qualvoll. Zusätzlich wurden in Schleswig-Holstein 12.186 „Überschusstiere“ getötet. Eine übliche Praxis in Versuchslaboren für nicht mehr benötigte Tiere.

Der 24. April ist der Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche. Die meisten Aktionen finden in diesem Jahr am Samstag, den 25. April statt. So etwa in Hamburg auf dem Rathausmarkt von 13 bis 15 Uhr. Eine Silent Line erinnert an das Schicksal der Versuchstiere; zudem gibt es einen Infostand mit Redebeiträgen, Kurzvideos und Maus Bertha. Am Sonntag, den 26. April findet vor dem UKE ebenfalls zwischen 13 und 15 Uhr eine Mahnwache gegen Tierversuche statt. Diese und weitere Termine finden sich in dieser Liste (etwas scrollen).

Mahnwachen und Infostände in Hamburg

Ein besonderes Highlight der bundesweiten Aktionen in diesem Jahr ist die Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms „Future Science“ am 25. April in Köln. Anschließend wird eine Kinotour durch mehrere deutsche Städte stattfinden. Der Film lässt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu Wort kommen, die erfolgreich im Bereich der innovativen tierversuchsfreien Forschung tätig sind. „Diese Technologien, etwa mit Multi-Organ-Chips und 3D-Gewebedruck, basieren auf menschlichen Zellen und sind damit – im Gegensatz zu Tierversuchen – direkt relevant für uns Menschen“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende des Vereins Ärzte gegen Tierversuche. Bei der Premieren-Tour stehen im Anschluss an die Filmvorführung neben dem Regisseur Marc Pierschel auch Protagonisten des Films sowie Experten des Ärztevereins für ein Publikumsgespräch zur Verfügung.

Neues schockierendes Bildmaterial

In dieser Woche wurde zudem neues Bildmaterial publik, das die unfassbare Grausamkeit der in der EU immer noch vorgeschriebenen „Giftigkeitstests“ beweist.

„Die Aufnahmen zeigen ein extremes Maß an Leiden, das die Tiere in den Versuchen ertragen müssen und ihre Angst, während sie auf die bevorstehenden Qualen warten“, sagt Kristina Wagner, Leiterin des Referats für tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund. „Selbst wenn Tiere diese Tortur überleben, werden sie am Ende getötet.“

Das von Animals Australia, einer Partnerorganisation des Deutschen Tierschutzbundes, veröffentlichte Film- und Bildmaterial zeigt typische Giftigkeitstests, die in einem britischen Labor für europäische Auftraggeber durchgeführt werden. Bei derartigen Tests wird untersucht, wie toxisch Arzneimittel, Industriechemikalien, Pflanzenschutzmittel und Nahrungsmittelzusatzstoffe sind und in welchen Konzentrationen sie zu Leiden, Krankheiten oder sogar zum Tod führen. Für die Versuche werden unzählige Tiere – darunter Ratten, Kaninchen, Hunde, Schweine und nicht-menschliche Primaten – fixiert und ihnen potenziell giftige Substanzen durch Injektionen, erzwungenes Einatmen, Zwangsfütterung oder Hautkontakt verabreicht. Die Dosis liegt dabei etwa hundertmal höher als die, denen Menschen wahrscheinlich ausgesetzt wären. Selbst Labormitarbeitende, die in den Videoaufnahmen zu Wort kommen, kritisieren die unerträgliche Grausamkeit der Tests.

Für Kosmetika und Waschmittel sind Tierversuche in der EU mittlerweile verboten. Am Anachronismus der Giftigkeitstests hält die EU dagegen weiterhin fest. Gegen jede Vernunft und ungeachtet des wissenschaftlichen Fortschritts, der auch hier längst tierversuchsfreie Alternativen möglich machte.

Petition gegen sogenannte "Giftigkeitstests"

Die vermeintliche Sicherheit von Substanzen und Wirkstoffen werde noch immer mit massivem Tierleid erkauft, kritisiert Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board-Member des europäischen Tierschutz-Dachverbands Eurogroup for Animals: „Dabei schließen Fortschritt und Verbraucherschutz den Tierschutz nicht aus. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen die Gesetze ändern und den Wandel hin zu einer tierversuchsfreien, humanen Wissenschaft beschleunigen. Dafür sollte die von der EU veröffentlichte "Roadmap" zum Ausstieg aus allen Tierversuchen in der Chemikalientestung mit hoher Priorität umgesetzt werden.“ EU-Bürgerinnen und Bürger können diese Forderung unterstützen, indem sie auf der Website toxicity.inc.de die zugehörige Petition unterschreiben und einen Brief an die Entscheidungsträger auf EU-Ebene senden.

„Jedes Tier im Tierversuch ist eines zu viel“, sagt Corina Gericke: „Tierversuche verursachen extremes Leid und enden so gut wie immer mit dem Tod der Tiere. Gleichzeitig sind sie wissenschaftlich absurd, da die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen werden können.“

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