Schwarzgrün fördert Fallenjagd
Kritik an Landesregierung
Nutria, Marder und Co. sollen mit Fallen gejagt werden. Kritik vom Deutschen Tierschutzbund und aus der Opposition.
Die schwarz-grüne Landesregierung will die Fallenjagd künftig mit 50.000 Euro fördern. Das Ziel: Invasive Arten wie Nutria, Marderhund und Waschbär sollen stärker „reguliert“ werden. CDU und Grüne sehen darin einen Beitrag zum Küsten- und Hochwasserschutz, da die Tiere Deiche und Schutzanlagen beschädigen können. Gemeinsam mit der Jägerschaft sollen wirksame Maßnahmen entwickelt werden, um Schäden an Natur- und Landwirtschaftsflächen zu begrenzen.
Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes geht dieses Vorgehen am Problem vorbei. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es:
„Zwar ist der Schutz von Deichen, Uferböschungen und Binnengewässer als öffentliches Interesse anzuerkennen, die vorgeschlagenen Maßnahmen sind hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit, Wirksamkeit und ethischen Vertretbarkeit allerdings nur eingeschränkt geeignet.
Viele wissenschaftliche Studien legen nahe, dass eine intensivierte Bejagung von invasiven Arten wie Nutria, Marderhund oder Waschbär nicht nachhaltig zu einer Bestandsreduktion beiträgt. Grund sind kompensatorische Effekte, wie erhöhte Reproduktion oder Zuwanderung von Tieren aus Nachbargebieten, die den Populationsrückgang schnell wieder ausgleichen können.
Dies wird auch durch die Entwicklung der Jagdstrecken in Schleswig-Holstein deutlich. Insbesondere bei der Nutria ist in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg der erlegten Tiere zu verzeichnen: Innerhalb eines Jahrzehnts ist die Strecke von einzelnen Tieren auf mittlerweile über 7.000 Tiere jährlich angestiegen. Trotz dieser erheblichen Intensivierung der Bejagung ist kein nachhaltiger Rückgang der Population erkennbar.“
Trotz 7.000 Abschüssen bleibt Nutria-Bestand stabil
Der Deutsche Tierschutzbund zieht präventive und nicht-letale Maßnahmen grundsätzlich vor, insbesondere wenn es um einen langfristigen Umgang mit Wildtieren oder invasiven Arten gehe: „Die durch Nutria verursachten Schäden an
Deichen und Uferstrukturen sind ernst zu nehmen. Dennoch ist aus Tierschutzsicht eine differenzierte Betrachtung notwendig: Ökologische Probleme sollten primär durch systemische, präventive Maßnahmen adressiert werden, nicht durch reaktive Bejagung.“
Die ursprünglich aus Südamerika stammende Nutria ist seit dem 19. Jahrhundert auch in Europa heimisch. Dies geht auf Fellfarmen zurück, denn bis ins späte 20. Jahrhundert war das Fell der Nagetiere auch in Deutschland begehrt.
Die SPD-Abgeordnete Sandra Redmann kritisierte den Antrag der Regierungsfraktionen, da wissenschaftliche Grundlagen fehlten. Man brauche „mehr als jagdpolitische Symbolpolitik“, um diese Fragen ernsthaft zu lösen, sagte Redmann im Landtag. Sie forderte ein „abgestimmtes Management zwischen Küstenschutz, Naturschutz, Wissenschaft, Wasserwirtschaft und Jägerschaft“.
„Ein komplexes Problem wird auf eine einfache Parole reduziert“
Dass mehr Jagd mitnichten bessere Ergebnisse in der Bestandsreduktion bewirke, werde im Regierungsantrag überhaupt nicht reflektiert: „Stattdessen“, so Redmann, „erleben wir die klassische politische Versuchung: Ein komplexes ökologisches Problem wird auf eine einfache Parole reduziert: „Wir jagen jetzt härter!“ Das soll Entschlossenheit suggerieren, ist aber nichts weiter als Aktionismus ohne echte Lösung.“