Rotwild und Elch – die Brunft beginnt
Erhöhte Vorsicht im Straßenverkehr
Der Herbst naht mit großen Schritten und mit ihm auch die Zeit, in der wir noch stärker auf die großen Wildtiere achten sollten. Zum Beispiel das Rotwild, Wildtier des Jahres 2026, und den Elch, der zunehmend auch in Deutschland anzutreffen ist.
Noch bis Ende Oktober dauert die Brunft des Rotwilds. In vielen norddeutschen Wäldern ist nun wieder das Röhren der Hirsche zu hören. Teil eines testosterongeladenen Wettkampfs um die Hirschkuh. Der Rothirsch ist das Tier des Jahres 2026 der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg.

Brünftiger Rothirsch röhrt. Foto: Michael Tetzlaff / Deutsche Wildtier Stiftung
Nur im Norden hat das Rotwild volle Bewegungsfreiheit
Zugleich beginnt mit der Brunft auch die Zeit, in der die Tiere verstärkt unterwegs sind. Zunächst auf der Suche nach Geschlechtspartnern; ab dem Spätherbst, wenn die Brunft vorbei ist, sucht das Wild nach Futter für die größer gewordenen Familien. Das heißt, es bricht auch für die Autofahrer:innen wieder die Zeit vergrößerter Aufmerksamkeit auf Wildwechsel an – zumal die Tage schon jetzt im September merklich kürzer werden.
In den norddeutschen Bundesländern ist das Rotwild im Vergleich zum Süden privilegiert. Denn anders als etwa in Bayern, Baden-Württemberg oder selbst Nordrhein-Westfalen sind die Reviere des Rotwilds in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg nicht administrativ begrenzt (siehe auch Verbreitungskarte unten). Im Süden der Republik geschieht dies aus Angst vor Bissschäden durch Hirsche. Die Tiere dürfen die ihnen zugewiesenen Bezirke nicht verlassen. Biologen warnen jedoch genau aus diesem Grund vor zunehmender Inzucht beim Rotwild in Süddeutschland – Baden-Württemberg lässt nun immerhin wieder vereinzelt männliche Rothirsche die Rotwildbezirke wechseln.
Reviere und Verbreitung des Rotwilds in Deutschland. Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung
Die Autobahn A7 als Barriere für das Rotwild
Aber auch in Schleswig-Holstein ist das Wechseln der Reviere nicht unbeschränkt möglich. So ist es für Rotwild sehr schwierig, sich mit den Artgenossen in Dänemark zu mischen – insbesondere die Bundesautobahn 7 zerschneidet die Wanderroute. Es gibt viel zu wenig Grünbrücken und die vorhandenen sind oft unzureichend. Die Population in Dänemark ist sehr isoliert und damit ähnlich von Inzucht bedroht wie die in Süddeutschland.
Auch bei einem weiteren Hirsch hat die Brunftzeit wieder begonnen: dem Elch. Der größte Hirsch ist zunehmend auch in Deutschland anzutreffen. Vor allem aus Polen wandern und schwimmen (!) Elche westwärts nach Nordostdeutschland. Die polnische Elch-Community hat sich seit den 1990er Jahren mehr als verzehnfacht – von rund 2.000 auf heute geschätzt etwa 24.000 Tiere. In Polen ist die Jagd auf Elche seit 1999 verboten.

Wieder in Deutschland anzutreffen: Elche. Foto: Lorenzo Manera / Pexels
Auch der Elch hat Brunftzeit
In Brandenburg gibt es bereits fest ansässige Tiere, aber auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es immer häufiger Sichtungen – und selbst in Niedersachsen: Vergangene Woche wurde erstmals seit Jahrhunderten ein freilebender Elch im Wendland gesichtet. In den Bayerischen Wald wandern vereinzelt Tiere aus Tschechien. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Elch auch in Schleswig-Holstein gesichtet wird – die Elbe ist jedenfalls keine unüberwindbare Barriere für die Tiere, die auch das Stettiner Haff durchschwimmen. Übrigens ist der Elch zwar im deutschen Jagdrecht vorgesehen, hat aber das ganze Jahr Schonzeit.
Der Elch kommt Schleswig-Holstein immer näher
Obwohl der Elch gut in die norddeutschen Landschaften und das Klima passt, kämpft er mit ähnlichen Problemen wie das Rotwild: Zersiedelte Räume im Umfeld der Großstädte, vor allem aber Autobahnen sind gefährliche Barrieren auf seinen Wanderungen.
Ob Rothirsch oder Elch – Verkehrsteilnehmer:innen sollten nun noch mehr als sonst vorausschauend fahren und auf angepasste Geschwindigkeit achten.

Eine Elchkuh bei der Rast. Foto: Gundula Vogel / Pexels