Mensch und Pferd – eine schwierige Beziehung

Mensch und Pferd – eine schwierige Beziehung

Weltpferdetag am 20. August

Haflinger zählen zu den beliebtesten Freizeitpferden. Auf Auktionen droht ihnen der Verkauf an Mastbetriebe. Foto: Omar Ramadan / Pexels

Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd wird meist sehr harmonisch gezeichnet. Doch stimmt dieses Bild überhaupt?

Der Weltpferdetag am 20. August soll das Bewusstsein für das Wohlergehen des Pferdes und seine Bedeutung für die menschliche Gesellschaft stärken. In diesem Jahr fällt der Tag mit den Reitweltmeisterschaften in Aachen zusammen.

Das rückt ins Bewusstsein, dass gerade der Sport eine besondere Belastung für Pferde darstellt. Der Rennsport, insbesondere der Galoppsport, macht sich die Urangst des Fluchttiers Pferd zunutze, in Todesangst vor einer imaginären Gefahr fliehen zu müssen. Bei Trabrennen werden die Pferde extrem eng an den Sulky gebunden. Allen Rennen gemein ist, dass die Reitpeitsche immer noch eine Rolle spielt, die sie aus Tierschutzsicht nicht spielen sollte.

Das Springen über Hindernisse wie es jetzt wieder in Aachen praktiziert wird, gehört nicht zum natürlichen Verhalten der Pferde; in freier Wildbahn weichen die Tiere Hindernissen nach Möglichkeit aus. Noch dramatischer wird es beim Springen über feste und besonders hohe Hindernisse wie es beim Geländeritt des sogenannten „Vielseitigkeitsreitens“ – früher Military genannt – praktiziert wird. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Verletzungen von Pferd und Reiter:in – bis hin zu Todesfällen.

Auch der Transport der Pferde zu solchen weltweiten Großereignissen wie in Aachen ist mindestens fragwürdig. Ein mehrstündiger Flug in einer Transportkiste aus Nordamerika oder Asien nach Europa (oder in die Gegenrichtung) ist sicher nichts, das man einem Pferd wünschen sollte. Ebenso wenig wie die immer noch übliche Haltung in engen Boxen.

Kritik an Reiterweltmeisterschaft in Aachen

In Aachen gab es zudem aktuell Kritik auch des Deutschen Tierschutzbundes an den ersten Wettkämpfen der Vorwoche, die bei großer Hitze stattfanden. Statt etwa bestimmte Prüfungen in der Dressur nur in die Morgenstunden zu verschieben hätte man sie besser ganz ausfallen lassen sollen.

Einen anderen dunklen Aspekt beleuchtet eine aktuelle Meldung aus Österreich zu Fohlenauktionen. Dort landen laut der Tierschutzorganisation Animal Spirit vier bis acht Monate alte Fohlen, oft Haflinger oder Noriker, die die Kriterien der „Vorauswahl“ nicht geschafft haben. Das heißt, sie haben aus Sicht der Züchter:innen Defizite beim Aussehen, beim Bewegungsablauf oder schlicht der Fellfarbe und sind damit aus dieser spezifischen Sicht ungeeignet für die Zucht. Ihr Schicksal ist düster: Viele der Fohlen landen nach der Versteigerung in der Mast und enden beim Pferdeschlachter.

Das romantische Bild von der Harmonie zwischen Mensch, Reiter:in und Pferd offenbart bei genauerem Hinsehen gewaltige Risse. Sich das bewusst zu machen – dafür ist der Weltpferdetag eine gute Gelegenheit.

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