Meeresforschung in Büsum vor dem Aus?
Mietvertrag wurde gekündigt
Das ITAW-Institut für Wildtierforschung in Büsum steht auf der Kippe. Rund um die Buckelwalstrandung im Frühjahr hatte es noch wissenschaftliche Expertisen geliefert.
Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in Büsum kämpft ums Überleben. Der bisherige Träger, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, hat den Mietvertrag zum 31. März 2027 gekündigt. Das mögliche Aus für die wichtige Forschungsinstitution wirft einige Fragen auf. Insbesondere wenn man die Hintergründe kennt.
Die Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hatte vor kurzem noch weitere Investitionen in den Standort an der Nordsee geplant. Den Weggang der langjährigen Institutsleiterin Professorin Ursula Siebert an die Freie Universität Berlin am 1. Juli nimmt die TiHo nun jedoch zum Anlass für die abrupte Kehrtwende. Die Begründung der Niedersachsen klingt dünn und fast ein wenig ratlos:
„Nach dem Weggang von Siebert wurde seitens der Hochschulleitung beschlossen, die Vor-Ort-Forschung in Büsum in Anbetracht der Faktenlage neu zu bewerten und die künftige wissenschaftliche Arbeit im aquatischen Wildtierbereich bzw. den Ressourceneinsatz neu zu ordnen. Künftig wird der Standort Hannover das Zentrum der Tätigkeiten des Instituts bilden. Da diese Veränderungen für die TiHo-Beschäftigten eine große Veränderung bedeuten, führt die TiHo aktuell umfassende Gespräche und prüft individuell jedes wissenschaftliche Projekt mit dem Ziel, die Möglichkeiten zur Fortführung auszuloten.“
Dazu muss man wissen, dass die TiHo Hannover selbst den Forschungsstandort Büsum mit der Arbeitsgruppe um Siebert erst 2011 von der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel übernommen und damit ihr Forschungsspektrum auf Meerestiere ausgeweitet hatte. Nun wiederum soll nach NDR-Informationen geprüft werden, ob die CAU den Standort ihrerseits, eventuell gemeinsam mit dem Land oder dem GEOMAR, fortführen könnte.
Wichtige Expertise für bedrohte Schweinswale
Der schleswig-holsteinische Umweltminister Tobias Goldberg (Grüne) will das ITAW als wichtigen Ansprechpartner für den Meeresschutz unbedingt erhalten. Gegenüber dem NDR sagte Goldberg, die Pläne der TiHO werde er „so nicht akzeptieren“. Das ITAW stelle die Experten für Totfunde von Schweinswalen an den Küsten oder auch für Walstrandungen, wie jüngst im Frühjahr vor Timmendorf.
Und auch Ursula Siebert, inzwischen Direktorin des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung der FU Berlin, will sich für den Weiterbestand ihres alten Instituts einsetzen. Sie hat die Kommunalpolitik um Unterstützung gebeten. Immerhin stehen am Büsumer Standort rund 60 hoch qualifizierte Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das Aus des ITAW wäre für Stadt und Region ein harter Schlag. Der Kreis Dithmarschen will laut NDR nach tragfähigen Lösungen für einen Fortbestand der Büsumer Einrichtung suchen.
Forschungsschwerpunkte des ITAW Büsum sind aquatische Tiere wie Seehunde, Kegelrobben, Schweinswale, Delfine, Fischotter, Eiderenten, Pott- und Zwergwale. Sowohl die Nord- als auch Ostsee, aber auch andere europäische Gewässer sowie die arktischen und antarktischen Regionen werden intensiv untersucht.