Kunstrasen wichtiger als Hunde und Katzen?

Kunstrasen wichtiger als Hunde und Katzen?

Tierschutzbund reicht Klage gegen Bund ein

Weniger wichtig als Kunstrasen? Hund im Tierheim. Foto: Alexas_Fotos / Pixabay

Verstößt die Weigerung, den praktischen Tierschutz zu unterstützen, gegen das Staatsziel Tierschutz nach Artikel 20a Grundgesetz?

Der Deutsche Tierschutzbund verklagt die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundeslandwirtschaftsministerium von Alois Rainer (CSU). Der Grund: Entgegen ihren Zusagen unterstützt die Bundesregierung Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen nur unzureichend – im Bundeshaushalt 2026 wurden von Schwarzrot erneut keine Mittel für den Tierschutz bereitgestellt.

Der Deutsche Tierschutzbund will damit auch prüfen lassen, inwiefern die Bundesregierung mit ihrer Weigerung, den praktischen Tierschutz zu unterstützen, gegen das in Artikel 20a Grundgesetz hinterlegte Staatsziel Tierschutz verstößt.

„Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen stehen vielerorts vor dem Kollaps. Seit Jahrzehnten wälzt der Staat zentrale Aufgaben des Tierschutzes – und damit die Erfüllung eines Staatziels – auf gemeinnützige Vereine ab, ohne deren Fortbestand ausreichend abzusichern oder überhaupt die Leistungen angemessen zu wertschätzen“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Die Belastung sei nicht mehr zu schultern, die Kosten stiegen massiv. Immer mehr Tiere blieben immer länger in den Einrichtungen, die gesetzlichen Auflagen stiegen. Das zwinge zu hohen Investitionen in Gebäude und Ausstattung, abgesehen von energetischen Herausforderungen.

Wie der Bund, so das Land: Schleswig-Holstein hat bereits vor zwei Jahren jede Förderung gestrichen

Anstrengungen, die manche Tierheime überfordern. In Schleswig-Holstein war bereits seit dem Haushalt 2025 jegliche Förderung von Tierheimen weggefallen. 550.000 Euro standen bis 2024 jährlich für Modernisierungen und Instandsetzungen zur Verfügung. Ein konkretes Beispiel für mögliche Folgen ist das Tierheim Elmshorn, das auch aufgrund notwendiger Investitionen in die Bausubstanz derzeit in einer besonders prekären Lage ist. Elmshorn ist aber nur ein Beispiel für viele.

Wie ihre Vorgängerregierungen verweist auch die aktuelle Bundesregierung auf die Verantwortung von Ländern und Kommunen. Was schon für sich nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Für besondere Verärgerung hat zuletzt aber die sogenannte „Sportmilliarde“ gesorgt – Geld, das Städte und Gemeinden für die Sanierung ihrer kommunalen Sporteinrichtungen direkt beim Bund beantragen können.

„Spätestens mit der Sportmilliarde ist klar: Wenn die Bundesregierung handeln will, kann sie handeln“, so Thomas Schröder: „Für die Tierheime müsste mindestens dasselbe drin sein. Stattdessen werden wir alleingelassen. Wenn Kunstrasen wichtiger ist als das Leben von Hunden und Katzen und kein politischer Wille erkennbar ist, zu unterstützen, dann müssen die Gerichte das erzwingen.“

Auf sich gestellte Straßenkatze. Foto: Deutscher Tierschutzbund

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