Kommt der verpflichtende Hundeführerschein?
Tierschutzbund fordert den obligatorischen Sachkundenachweis seit langem
Nach zwei Beißattacken eines Schäferhunds, bei denen in Neumünster ein Chihuahua und ein Rauhaardackel zu Tode kamen, werden die Forderungen nach einem „Hundeführerschein“ in Schleswig-Holstein lauter.
Bislang ist der Sachkundenachweis zur Führung von Hunden nur in Niedersachsen ohne Voraussetzungen und für die Haltung aller Hunde obligatorisch. Die Beißattacken in Neumünster scheinen jedoch auch in Schleswig-Holstein das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Sowohl die Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) als auch der tierschutzpolitische Sprecher von Bündnis90/Die Grünen, Dirk Kock-Rohwer, äußerten sich zustimmend zum obligatorischen Sachkundenachweis. Die oppositionellen Landtagsparteien SPD, SSW und FDP stimmten dem zu.
Ganz so eindeutig wie im Februar beim Entschluss für eine Katzenschutzverordnung ist die Stimmung im Landtag aber wohl nicht. Dem Vernehmen nach lehnt ein Teil der CDU-Fraktion den verpflichtenden „Hundeführerschein“ als „zu bürokratisch“ ab.
Sandra Redmann jedoch, die tierschutzpolitische Sprecherin der SPD im Kieler Landtag, will das Thema im September nach der Sommerpause auf die Tagesordnung des Umweltausschusses setzen. „Das Problem ist nicht der Hund, sondern das andere Ende der Leine“, sagte Redmann gegenüber den Kieler Nachrichten. Zudem lasse sich ein besonderes Risiko bei bestimmten Rassen nicht belegen.
Die Statistik gibt den Befürworter:innen Recht
Die Befürworter:innen des obligatorischen Sachkundenachweises berufen sich auch auf die Statistik, die unabhängig von den aktuellen Fällen eine deutliche Sprache spricht. Die Fälle, bei denen in Schleswig-Holstein ein Hund einen Menschen ohne ersichtlichen Grund gebissen hat, sind seit 2017 deutlich gestiegen. Zählte das Innenministerium vor acht Jahren 217 solche Fälle, waren es 2023 bereits 320. Die Zahl der Angriffe auf andere Tiere stieg im gleichen Zeitraum von 179 auf 317. Der Sachkundenachweis für alle Hundehalterinnen und Hundehalter muss da als probates Mittel erscheinen.
Der Deutsche Tierschutzbund fordert den obligatorischen „Hundeführerschein“ nach niedersächsischem Vorbild seit vielen Jahren. „Hundehalterinnen und Hundehalter müssen ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden“, sagt Ellen Kloth, Vorsitzende des Landesverbands Schleswig-Holstein: „Gegenüber dem eigenen Tier, aber auch gegenüber dem unmittelbaren Umfeld und der Gesellschaft.“