Illegale Schafschlachtung in Nordfriesland
Es wird gegen fünf Verdächtige ermittelt
Betäubungslose Schlachtungen sind verboten, eine Ausnahmegenehmigung war nicht beantragt worden.
Auf einem Bauernhof in Nordfriesland wurde am 27. Mai eine mutmaßlich illegale Schlachtung von Schafen gestoppt. Das wurde jetzt durch eine Presseinformation der Polizei bekannt. Kontrolleure des Veterinäramtes Husum waren benachrichtigt worden und schritten gemeinsam mit Polizeibeamten ein, während drei Männer ein totes Schaf enthäuteten und ein weiteres per Kehlschnitt ausbluteten. Die Tierkörper wurden beschlagnahmt.
Wie das Landeslabor inzwischen bestätigte, waren die Schafe zuvor nicht betäubt worden. Das aber ist nach dem Tierschutzgesetz zwingend vorgeschrieben. Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt insgesamt gegen fünf Männer, darunter den Hofeigentümer und seinen Sohn. Es drohen 25.000 Euro Bußgeld, im Wiederholungsfall auch Gefängnis.
Hohe Dunkelziffer zu befürchten
Die aktuelle Rechtslage erlaubt Ausnahmeregelungen aus religiösen Gründen. Eine solche Ausnahme kann derzeit auf Antrag gewährt werden. Ein entsprechender Antrag lag im aktuellen Fall jedoch nicht vor. Generell wird dieser nur sehr selten gestellt und noch seltener genehmigt. Wesentlich häufiger werden Fälle wie der aktuelle in Nordfriesland bekannt – es ist mithin von einer hohen Dunkelziffer solcher Fälle auszugehen.
Der Deutsche Tierschutzbund lehnt betäubungslose Schächtungen grundsätzlich ab und fordert ein generelles Verbot. Denn beim Schächten schneiden Menschen Tieren den Hals ohne vorherige Betäubung durch. Sie durchtrennen dabei Haut, Muskeln, die Halsschlagadern, die Luft- und Speiseröhre sowie die daneben befindlichen Nervenstränge. Dies geschieht, während die Tiere bei vollem Bewusstsein sind. Sie leiden unter erheblichen Schmerzen, Atemnot und Todesangst. Der Todeskampf kann bis zu einer halben Stunde dauern und endet erst, wenn die Tiere verblutet sind.
Unlängst hatte das Landwirtschaftsministerium in Kiel angekündigt, Deichschafe an der Nordseeküste vor Wolfsrissen durch sogenannte „wolfsfreie Zonen“ schützen zu wollen. Dabei ist bislang kein Wolfsriss auf Nordseedeichen bekannt. Eventuell sollte das Ministerium sein Augenmerk auf engmaschigere Kontrollen der Betriebe richten.