Igel: Mähroboter umstrittener denn je
Studie belegt Gefahr
Nachdem die Hersteller zu wenig in die Optimierung ihrer Geräte investieren, verhängen erste Städte Nachtfahrverbote für Mähroboter. Auch in Schleswig-Holstein.
Nachtfahrverbote für Mähroboter werden derzeit stark diskutiert. Erste Städte in Schleswig-Holstein haben entsprechende Erlasse beschlossen (Bad Oldesloe) oder haben dies vor (Lübeck). Sie folgen damit bundesweiten Vorreitern wie Köln oder Leipzig.
Der Grund: Die Geräte gefährden Tiere, die vornehmlich nachts oder in der Dämmerung auf Rasenflächen nach Nahrung suchen wie Insekten, Frösche oder vor allem die laut Roter Liste gefährdeten Igel. Bei den stachligen Gesellen kommt hinzu, dass sie bei Gefahren auf ihre Stachel vertrauen und sich zusammenrollen. Nur: Bei den Klingen eines Mähroboters hilft dies anders als bei Hund oder Katze nicht. Auffangstationen berichten von schlimmen Verletzungen wie amputierten Gliedmaßen, aufgeschlitzten Bauchdecken oder sogar Enthauptungen.
Eine mit Igel-Kadavern durchgeführte aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung belegt zudem, dass die Hersteller von Mährobotern auch nach Jahren nur unzureichend auf die Kritik reagiert haben. Nur ein einziges von 19 getesteten Geräten war demnach in der Lage, wenigstens größere Igel als Hindernis zu erkennen und zu umfahren. Kleinere Igel wurden immer angefahren; bei 14 von 19 Geräten kam es zu schlimmen Schnittverletzungen.
Nur folgerichtig, dass Politiker wie Ludger Hinsen, Umweltsenator in Lübeck, schon vor Erlass des Verbots an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, Mähroboter nur tagsüber laufen zu lassen: „So können wir gemeinsam dazu beitragen, unsere kleinen Nachtschwärmer zu schützen“, zitiert ihn die Wochenzeitung „Die Zeit“.
Auch Nachtfahrverbot reduziert Verletzungen nur um 80 Prozent
Umweltverbände wie der BUND oder Nabu gehen einen Schritt weiter und appellieren, ganz auf Mähroboter zu verzichten. Denn die Untersuchung des Leibniz-Instituts zeigt auch, dass ein Nachtfahrverbot die Verletzungen und Tötungen von Igeln nur um 80 Prozent reduziert. Wer also Igeln und anderen nachtaktiven Tieren auf dem Rasen definitiv nicht schaden will, verzichtet ganz auf Roboterhilfe.
Und: Wer sich so entscheidet, hat einen weiteren Vorteil: Mähroboter halten die Rasenflächen in den immer trockener und heißer werdenden Sommern viel zu kurz. Die Folge: Der Rasen verbrennt oder muss täglich gewässert werden.
In Bad Oldesloe muss die Stadt nun selbst handeln und ihren Erlass umsetzen: Sie hatte erst kürzlich für Sportplätze besonders leistungsfähige Mähroboter angeschafft. Auch sie dürfen nun nachts nicht mehr laufen.