Drei Millionen Tiere sind 2024 in Laboren gestorben
Tierversuche weiter leicht rückläufig
Zwar sind die Tierversuchszahlen weiter rückläufig. Doch der Anteil der wissenschaftlichen Forschung bleibt trotz guter Alternativen erschreckend hoch.
3.063.569. Das ist die Anzahl der Tiere, die laut Bf3R (Deutsches Zentrum zum Schutz von Versuchstieren) 2024 in deutschen Versuchslaboren gestorben sind. Das ist ein Rückgang von rund 438.000 Tieren gegenüber 2023. 1.109.100 Tiere mussten sterben, weil in den Labors keine Verwendung für sie bestand – die zynische Laborsprache nennt sie „Überschusstiere“. Sie wurden gezüchtet, aber nicht gebraucht. Hier ist ein Minus von immerhin gut zwölf Prozent gegenüber 2023 festzustellen.
Grundlagenforschung verweigert weiter Alternativen, Bundesregierung tatenlos
Auch wenn die Zahl der Versuchstiere seit einigen Jahren stetig abnimmt, reiche die bloße Reduzierung der Zahlen nicht aus, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes: „In der Grundlagenforschung, dem Bereich mit der größten Anzahl an verwendeten Tieren, liegen die Zahlen seit Jahren hoch. Es ist an der Zeit, endlich umzudenken. Es bedarf einer klaren Strategie für den Ausstieg aus Tierversuchen. Entscheidend ist dabei, die Vergabe von Fördermitteln neu zu strukturieren, um die Entwicklung tierversuchsfreier Methoden mit höchster Priorität zu fördern“, so Schröder.
Knapp zwei Millionen Tiere starben 2024 in Deutschland zu wissenschaftlichen Zwecken. Die Ärzte gegen Tierversuche bemängeln, dass es nach positiven Ansätzen der Ampelregierung der gegenwärtigen Bundesregierung offensichtlich am Willen fehlt, den Weg einer echten Reduktiosstrategie fortzusetzen.
37.002 Tierversuche in Schleswig-Holstein
Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen stehen einmal mehr an der Spitze des traurigen Tierversuchsrankings: In Bayern wurden 2024 genau 255.456 Tierversuche durchgeführt, in Baden-Württemberg 227.935 und in Nordrhein-Westfalen 217.224. Tiere, die als „Überschuss“ getötet wurden, gab es die meisten in Bayern mit 222.408 Tieren. Nordrhein-Westfalen und Berlin folgen auf Platz zwei und drei mit 208.408 bzw. 172.334 Tieren.
In Schleswig-Holstein wurden 2024 genau 37.002 Tierversuche durchgeführt. Bis auf wenige Ausnahmen endeten diese Versuche wie in den anderen Bundesländern mit dem Tod der Tiere. Zusätzlich wurden 12.186 „Überschusstiere“ getötet.
Mäuse an der Spitze, „Verwendung“ von Katzen gestiegen
Mäuse stehen einmal mehr an der Spitze der getöteten Versuchstiere. Bei den wissenschaftlichen Versuchen (1.954.969 verwendete bzw. getötete Tiere) machen sie 72 Prozent aus, das entspricht 956.636 Mäusen. Dazu kommen 83.369 Ratten, 176.778 Fische, 57.966 Kaninchen, 16.304 Vögel und 36.878 „Sonstige“. Dazu zählen 1088 Affen und Halbaffen (minus 35 Prozent gegenüber 2023), 2220 Hunde (minus 13 Prozent) und 698 Katzen. Die Zahl der Katzen stieg gegen jeden Trend gegenüber 2023 (544 Katzen) deutlich an.
„Pyrogentest“ für Kaninchen seit 1. Januar verboten
Gute Nachrichten gibt es für das Jahr 2026 immerhin für Kaninchen. Die Europäische Arzneibuchkommission hat den Pyrogentest (Fiebertestung) aus ihren Vorschriften gestrichen. EU-Labore dürfen diesen umstrittenen und qualvollen Versuch nun nicht mehr durchführen. Wie in vielen anderen Bereichen stehen seit langem andere Möglichkeiten zur Verfügung. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt diese überfällige Entscheidung.
„Der Pyrogentest war in den letzten Jahrzehnten für tausende Kaninchen in Deutschland eine qualvolle Tortur. In engen Kästen fixiert, mussten die Tiere stundenlang bewegungslos ausharren, während ihnen Prüfsubstanzen gespritzt wurden. Sie konnten weder fressen, trinken noch mit Artgenossen interagieren. Für die Tiere sowohl körperlich als auch psychisch eine extreme Belastung“, sagt Tilo Weber, Fachreferent für tierversuchsfreie Wissenschaft beim Deutschen Tierschutzbund.