Die Wildkatze ist zurück
Fundort im Herzogtum Lauenburg
Große Freude bei Naturschützern – die Wildkatze ist in Schleswig-Holstein angekommen. Doch das Erfolgsbeispiel Wolf sollte auch im Fall der Wildkatze als Warnung gelten.
Die Europäische Wildkatze ist nach Jahrhunderten zurück in Schleswig-Holstein. Ein Jäger hatte ein Exemplar im vergangenen Herbst im Süden des Kreises Herzogtum Lauenburg aus einem Knotengeflechtzaun, vor denen Wildtierschützer immer wieder warnen, befreit (siehe Foto). Dabei hatte er auch einige Haare der Katze gesichert. Diese Haarprobe ließ das Landesamt für Umwelt (LfU) beim Institut Senckenberg in Gelnhausen in Hessen genetisch untersuchen. Das Ergebnis ist eindeutig: Das Tier ist eine Europäische Wildkatze.
BUND spricht von einer „Sensation“
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von einer „Sensation zu Jahresbeginn“. Bereits im März vergangenen Jahres war eine Katze mit wildkatzentypischen Eigenschaften von einer Wildtierkamera im Herzogtum Lauenburg fotografiert worden – der Gentest ist jetzt der endgültige Beweis, dass die Wildkatze, als deren nördlichstes Verbreitungsgebiet bislang die Lüneburger Heide galt, den Sprung über die Elbe ins nördlichste Bundesland geschafft hat.
Der Nachweis der Wildkatze in Schleswig-Holstein sei „ein echter Meilenstein für die Art und ein bedeutender Erfolg für den Naturschutz“, sagt Martin Schmidt, Pressesprecher des LfU. „Unsere langjährige Arbeit zum Schutz und zur Vernetzung von Wildkatzenlebensräumen zeigt Wirkung“, ergänzt Friederike Scholz, Koordinatorin des „Rettungsnetz Wildkatze“ beim BUND-Bundesverband: „Jetzt möchten wir herausfinden, wo die gefährdete Wildkatze im Norden genau lebt. Nur so können wir ihre Lebensräume sichern und die Art bei der Rückkehr unterstützen.“
Lockstock-Monitoring nun auch in Schleswig-Holstein
Daher beginnt nun das erste sogenannte „Lockstock-Monitoring“ für Wildkatzen auch in Schleswig-Holstein. Freiwillige sammeln dabei Haare von mit Baldrian präparierten „Lockstöcken“ ein; die Lockstöcke werden im Umfeld des Fundorts der ersten schleswig-holsteinischen Wildkatze aufgestellt.
Die Freude über die Rückkehr der Wildkatze in nordelbische Gefilde darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mensch selbst es ist, der solch große Erfolge des Artenschutzes immer wieder aufs Spiel setzt.
Der Wolf als warnendes Beispiel
Bestes Beispiel ist der Wolf, der wohl prominenteste „Rückkehrer“ in deutsche Wälder. Trotz rückläufiger Nutztierrisse, stagnierender Population und vielerorts noch immer mangelhaftem Herdenschutz soll er nun wieder bejagt werden dürfen. Nach der neuesten Gesetzesvorlage sogar in den Monaten Juli bis Oktober. Das hieße, dass insbesondere Wolfwelpen, die sich noch gar nicht an der Jagd beteiligen, ins Visier der Jägerschaft gerieten. Die Jagdverbände waren es auch, die diese Änderung an der Kabinettsvorlage erwirkten.
„Am Umgang mit dem Wolf zeigt sich, wie sehr Angst zur politischen Währung geworden ist“, sagt James Brückner, Leiter des Fachreferats für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Entscheidungsträger handelten so, als gäbe es keine Alternative zum Abschuss: „Wer so agiert, löst komplexe Probleme nicht - sondern verdrängt sie und belügt dabei das Klientel, das es zu unterstützen gilt.”
Wild- und Hauskatzen sind fortpflanzungsfähig
Übrigens sind Hauskatzen und die Europäische Wildkatze, die sich niemals freiwillig Menschen nähern würde, gemeinsam fortpflanzungsfähig. Ein weiterer wichtiger Grund, jede Freigängerkatze zu kastrieren. Und nicht erst, wenn es durch die Katzenschutzverordnung in Schleswig-Holstein in diesem Jahr obligatorisch wird.