Deichschäden: Nutria vorerst freigesprochen
Kieler Landwirtschaftsministerium liegen keine Beweise vor
Eine Kleine Anfrage der SPD-Abgeordneten Sandra Redmann lässt den Beschluss der Landesregierung, die Nutria stärker zu bejagen, mehr als fraglich erscheinen.
In den vergangenen fünf Jahren ist nicht ein einziger Schaden durch Nutria an Deichen nachgewiesen worden. Das räumt das Kieler Landwirtschaftsministerium von Cornelia Schmachtenberg (CDU) auf eine Kleine Anfrage der Ostholsteiner SPD-Landtagsabgeordneten Sandra Redmann ein.
Wörtlich heißt es in der Antwort des Ministeriums zu den Landesdeichen:
„Trotz Populationsanstieg der Nutria in Schleswig-Holstein konnten bislang keine Schäden durch Nutrias an den Landesschutzdeichen festgestellt werden. Für das aktuelle Jahr ist die Erfassung von Schadensmeldungen an den bestehenden Küstenschutzbauwerken geplant.“
Auch zu Binnen- und Mitteldeichen sowie „sonstigen wasserwirtschaftlichen Anlagen“ liegen dem Ministerium laut Antwort keine Erkenntnisse vor.
Redmann: „Bemerkenswerter Widerspruch zwischen Inszenierung und Faktenlage“
Redmann hatte nachgefragt, nachdem die schwarz-grüne Landesregierung im Mai eine massive Ausweitung der Jagd auf Nutria, Marder und Waschbär beschlossen hatte – mit dem Argument, diese invasiven Arten und ganz besonders Nutria beschädigten Deiche und andere wasserbautechnische Anlagen.
Entsprechend wundert Sandra Redmann sich über den „bemerkenswerten Widerspruch zwischen politischer Inszenierung und tatsächlicher Faktenlage", wie sie den Kieler Nachrichten (KN) (Paywall) und Lübecker Nachrichten (LN) sagte: „Natürlich können invasive Arten Probleme verursachen, und natürlich kann die Jagd dabei ein wichtiges Instrument sein. Aber wer ernsthaft Bestände regulieren will, braucht mehr als die politische Reflexantwort: Wir jagen jetzt härter."
Dabei belegen die Daten eben nur, dass sich die Nutria in den zurückliegenden Jahren massiv vermehrt haben und schon vor dem Beschluss der Landesregierung massiv bejagt wurden. Die sogenannten „Jagdstrecken“ haben sich zwischen 2021/22 mit 1.343 erlegten Nutria in nur vier Jahren mehr als verzehnfacht. 2025/26 wurden in Schleswig-Holstein bereits 15.894 Nutria erlegt.
Angesichts dieser Zahlen und angesichts des fehlenden Nachweises, dass Nutria überhaupt Schäden an Deichen anrichten, muss in der Tat die Frage erlaubt sein, warum die schwarz-grüne Landesregierung nun die Dosis Jagd noch weiter erhöhen will und dabei sogar auf Fallenjagd setzt.

Sandra Redmann (SPD) Foto: Pepe Lange
Das sieht offenbar auch die SPD-Abgeordnete so: „Die kleine Antwort zeigt: Die Landesregierung setzt lieber auf medienwirksame Schlagzeilen als auf wirksame, umfassende und fachlich fundierte Maßnahmen", wird sie von KN und LN zitiert.
"Schwanzprämie" in Stormarn?
Unterdessen berichten laut LN Jäger aus Stormarn von angeblichen Schäden durch Nutria an Teichen und Abwasseranlagen. Nun will auch die Stormarner Politik die Anreize für die Jagd anheben. Es ist von einer „Schwanzprämie“ die Rede.
Allerdings darf man auch hier fragen, welchen Sinn die Jagd auf eine Art hat, deren Abschussquote in den zurückliegenden vier Jahren sowieso schon um mehr als den Faktor Zehn explodierte. Und warum sie noch weiter angeheizt werden soll. Ist es nicht eher an der Zeit, die gefährdeten Anlagen konkret zu schützen?
fb