BUND startet Wildkatzen-Monitoring
Freiwillige für das Lockstock-Monitoring gesucht
Noch wurde die Europäische Wildkatze nicht in Schleswig-Holstein gesichtet. Doch der Sprung über die Elbe könnte ihr bald gelingen.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) startet im Januar ein umfassendes Wildkatzen-Monitoring. Im Winter beginnt für die Europäische Wildkatze die Paarungszeit. Besonders aktiv sind die Tiere, die nicht mit verwilderten Hauskatzen verwechselt werden dürfen, in den Monaten zwischen Januar und März.
Diese winterliche „Ranzzeit“, wie sie bei Wildkatzen genannt wird, eignet sich ideal für das sogenannte Lockstock-Monitoring. Mit dieser Methode erfasst der BUND gemeinsam mit vielen Freiwilligen seit Jahrzehnten den Bestand der Wildkatze in den deutschen Wäldern.
Mit Baldrian präparierte Holzstäbe
Beim Monitoring werden in ausgewählten Waldgebieten mit Baldrian präparierte Holzstäbe, die Lockstöcke, aufgestellt. Reiben sich Wildkatzen daran, bleiben Haare hängen, die anschließend genetisch untersucht werden. So lässt sich feststellen, wo die Tiere leben und welche Wanderungen sie unternehmen. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise für den Schutz und die Vernetzung ihrer Lebensräume.
Ausdauer und Naturverbundenheit sind unbedingt nötige Voraussetzungen für Freiwillige. Denn einmal pro Woche müssen die ehrenamtlichen Helfer alle Lockstöcke in ihrem Bereich kontrollieren. Oft bei frostigen Temperaturen, manchmal im Schnee. Oder bei Wind und Regen.

Eine Wildkatze reibt sich an einem präparierten Lockstock. Foto: Bund für Umwelt- und Naturschutz e. V. (BUND) / Helmut Weller
Die gesammelten Daten fließen in naturschutzfachliche Planungen ein. So zum Beispiel in das vom BUND durchgeführte Projekt "Wildkatzenwälder von morgen", das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird. Ziel des Projekts ist es, Wälder ökologisch aufzuwerten und so die Lebensräume der Wildkatze wiederherzustellen und besser zu vernetzen.
Erfolgsgeschichte: Die Rückkehr der Europäischen Wildkatze
Die Rückkehr der Europäischen Wildkatze in Deutschland gilt als echte Erfolgsgeschichte des Naturschutzes ähnlich der des Luchses oder des Wolfes. Viele Schutzmaßnahmen tragen dazu bei, dass die Wildkatze sich wieder in geeigneten Gebieten ausbreiten kann.
Die aktuellen Hauptverbreitungsgebiete liegen zwar vor allem in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Aber die nachgewiesenen Bestände sind mittlerweile nah an Schleswig-Holstein herangerückt. So gibt es Sichtungen in den Harburger Bergen, allgemein der nördlichen Lüneburger Heide und auch im Wendland. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Wildkatze auch bald den Sprung über die Elbe schafft.
Die Wildkatze bevorzugt Laub- und Laubmischwälder
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in großen, zusammenhängenden strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute nur noch etwa 6000 bis 8000 Tiere überwiegend in Mittel- und Süddeutschland. Die Wildkatze steht stellvertretend für viele andere Waldtierarten. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen auch für viele andere Arten wie Luchs, Bechsteinfledermaus oder Mittelspecht optimal.
In diesem Jahr wurden neue Nachweise unter anderem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen bestätigt.
Interessierte für das Lockstock-Monitoring können sich jetzt für Schulungen von einigen BUND-Landesverbänden anmelden. Nähere Informationen gibt es hier.