Anbindehaltung: Müller-Konzern in der Kritik

Anbindehaltung: Müller-Konzern in der Kritik

Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung?

Bayerische Kühe in Anbindehaltung – profitiert der Müller-Konzern von der tierschutzwidrigen Praxis? Foto: Animal Rights Watch (ARIWA)

Der Molkereikonzern Müller bezieht und verarbeitet Milch aus ganzjähriger Anbindehaltung. So der Vorwurf von Animal Rights Watch.

Die Unternehmensgruppe Theo Müller sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, Milch von bayerischen Kühen aus ganzjähriger Anbindehaltung zu verarbeiten. Der Verein Animal Rights Watch (ARIWA) gibt an, im Besitz von Videomaterial zu sein, das Kühe dokumentiere, „die tagsüber und im Sommer in ihren eigenen Exkrementen liegen, auf Betonwände starren und teils apathisch oder verletzt in der Kette hängen.“

Foto- und Videomaterial von Rindern in Anbindehaltung

"Molkerei Müller wirbt mit Heimatidylle für ihre Müllermilch - verkauft aber in Wahrheit Kettenhaltung", erklärt Svenja Knoppik, Sprecherin von ARIWA. Anbindehaltung sei kein Einzelfall, sondern systematisch. In ganz Deutschland lebe jede zehnte Kuh in Anbindehaltung.

Parallel blockierten mehrere Dutzend Aktivisten der Gruppe „Animal Rebellion“ die zur Müller-Gruppe gehörige Molkerei „Sachsenmilch“ in Leppersdorf im ostsächsischen Landkreis Bautzen. Die Polizei bescheinigte den Aktivisten friedliches Verhalten. Der Vorwurf von „Animal Rebellion“: Auch Sachsenmilch verarbeite wie die Müller-Konzernschwestern Milch aus tierschutzwidriger ganzjähriger Anbindehaltung.

„Die Politik schützt Großkonzerne wie Molkerei Müller - nicht die Tiere", sagt ARIWA-Sprecherin Knoppik: „Anbindehaltung ist legale Gewalt. Und sie passiert mitten in Bayern."

Thomas Schröder fordert verbindliche Haltungsregeln

Erst Ende Juni hatte Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, darauf hingewiesen, dass mehr als 20 Jahre nach der Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel ins Grundgesetz noch immer keine konkreten Vorschriften für die Haltung von Rindern oder Puten existierten: „Das ist ein Ausdruck von politischem Stillstand und Ignoranz gegenüber dem Leid von Millionen Tieren“, so Schröder: „Gesetzliche Tierschutzstandards sind kein bürokratisches Hindernis, sondern die Grundlage für echten Tierschutz, wie ihn die Gesellschaft erwartet.“

Die aus Bayern stammende, aber in Luxemburg ansässige Unternehmensgruppe Theo Müller zählt mit rund 32.000 Mitarbeiter:innen an 19 Standorten und einem Umsatz von zuletzt mehr als neun Milliarden Euro zu den größten Molkerei- und Lebensmittelkonzernen Europas. Zum Konzern gehören neben der Kernmarke „Müllermilch“, ansässig in Aretsried bei Augsburg, die ehemals staatliche Molkerei „Weihenstephan“ in Freising bei München, das Deutschland-Geschäft von FrieslandCampina mit der Marke „Landliebe“ und Sachsenmilch in Leppersdorf. Zur Feinkost-Sparte zählen die Marken „Nordsee“ (nicht die Restaurantkette), „Homann“ und „Heinrich Hamker“. Außerdem produziert Müller für verschiedene Discountermarken wie "Delikato", "Hofburger" und "Milsani" (Aldi Nord), "K Classic" (Kaufland) oder "Milbona" (Lidl).

Der Müllerkonzern und ihr Eigentümer Theo Müller sind seit Jahren wegen verschiedener Themen in der Kritik – von Erhalt und Verwendung staatlicher Subventionen und Standortschließungen über Verbindungen zu rechtsextremen Parteien bis hin zu indirekter Förderung von Massentierhaltung.

Zehn Prozent der Rinder in Deutschland stehen – oder liegen – in ganzjähriger Anbindehaltung. Vorwiegend in Bayern. Foto: ARIWA

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