Aldi und Dr. Oetker top, McDonald’s und Famila flop

Aldi und Dr. Oetker top, McDonald’s und Famila flop

Ergebnisse des Masthuhn-Reports 2025

Hühner leiden millionenfach unter der Massentierhaltung. Die Fortschritte sind langwierig. Fotos: Alexas Fotos/Pexels

Die Ergebnisse des Masthuhn-Reports bleiben durchwachsen. Ein Unternehmen aus Schleswig-Holstein zählt laut Studie zu den Tierschutz-Verweigerern.

Das Kieler Handelsunternehmen Bartels-Langness, kurz Bela, (Famila, Citti, Markant, Steiskal) landet im aktuellen Masthuhn-Report (PDF) der Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt im Segment Verbraucher- und Supermärkte auf dem unrühmlichen letzten Platz. Commitment für das Wohl von Masthühnern: null Prozent. Den gleichen Platz hatte Bela bereits im Supermarkt-Ranking 2024 zugewiesen bekommen.

Noch teilt sich das Unternehmen diesen Platz im Handelsranking mit Hit, K&K und Edeka (u. a. Edeka, Marktkauf). Doch der Hamburger Branchenprimus hat sich jüngst verpflichtet, entscheidende Schritte beim Tierschutz nachzuholen.

Edeka verspricht Fortschritte

An der Spitze des Supermarkt-Rankings liegen die Globus-Verbrauchermärkte mit einem Commitment von 77 Prozent, gefolgt von den vor allem in Hessen zu findenden Tegut-Märkten mit 73 Prozent. Rewe, nach Edeka die Nummer zwei der Branche, liegt mit 57 Prozent und noch deutlichen Defiziten im Mittelfeld.

Analysiert wurden unternehmensweite Commitments, veröffentlichte Roadmaps, Fortschrittsberichte sowie dokumentierte Umstellungsmaßnahmen. Mithilfe eines standardisierten Scoring-Modells wird der Fortschritt jedes Unternehmens auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent sichtbar gemacht. In die Bewertung fließen nicht zuletzt die Haltungsformen der jeweils angebotenen Hühnerfleisch-Produkte ein.

Jährlich werden in Deutschland mehr als 600 Millionen Hühner geschlachtet. Der Masthuhn-Report dokumentiert seit 2022 die Fortschritte der Lebensmittelwirtschaft beim Tierschutz in der Hühnermast. Bewertet werden Unternehmen aus fünf Schlüsselbranchen anhand von Kriterien wie Platzangebot, Zuchtlinien, Betäubung oder Schlachtung. Die Punktevergabe erfolgt anteilig gewichtet für die Selbstverpflichtung zu den Kriterien der Masthuhn-Initiative.

Aldi-Süd ist führend, Aldi-Nord folgt

Bei den Discountern führt Aldi-Süd das Ranking mit 70 Prozent an, gefolgt von Aldi-Nord mit 63 Prozent. Penny liegt auf Platz drei mit 57 Prozent, Lidl auf Platz vier mit 40 Prozent; Lidl ist erst jüngst der Masthuhn-Initiative beigetreten, will einen Kurswechsel zu tierwohlgerechteren Produkten vollziehen.

Am Ende des Discounter-Rankings liegen die beiden Nettos mit je null Prozent Commitment. Die dänische Netto ApS (gelb-schwarz) verweigert hartnäckig jegliche Tierschutzziele, bei der Edeka-Tochter Netto Marken-Discount (gelb-rot) besteht aufgrund des Kurswechsels der Mutter Edeka immerhin Hoffnung auf Besserung.

Düster zu geht es in der Systemgastronomie. Während es wenige Lichtblicke gibt – Dean & Davis und L’Osteria mit jeweils 73 Prozent Commitment – verweigern sich die Branchenriesen McDonald’s und Burger King (beide null Prozent) jeglichem Tierschutz. Ebenfalls bei null Prozent landen Call a Pizza und Vapiano.

Auf 57 Prozent kommt KFC (Kentucky Fried Chicken) – angesichts der Tatsache, dass Huhn das Kernprodukt der Kette ist, gibt es hier aber noch jede Menge Luft nach oben.

Dr. Oetker geht voran

Bei den Herstellern schnitt in diesem Jahr Dr. Oetker mit 93 Prozent deutlich am besten ab. Es folgt Frosta mit 70 Prozent.  Während Bofrost und Nestlé mit 53 bzw. 47 Prozent im Mittelfeld liegen, hat Unilever sein Commitment gelöscht und stürzt mit null Prozent ans Ende des Rankings. Allerdings führt Unilever laut Studie nur noch ein einziges Produkt mit Hühnerfleisch. Am Ende des Rankings findet sich mit ebenfalls null Prozent außerdem Eismann.

Die Catering-Branche zeigt derzeit laut Masthuhn-Report das größte Engagement, sich hinsichtlich der Tierschutzkriterien zu verbessern. Sodexo (70 Prozent), Apetito (67 Prozent) und Compass (57 Prozent) setzten mit Roadmaps und Fortschrittsberichten deutliche Zeichen, heißt es im Report. Doch bei einigen anderen stagnierten die Bemühungen und die praktische Umsetzung gehe oft nur schleppend voran.

Durchwachsene Lage bei den Produzenten

Bei den Hühnerfleischproduzenten selbst liegen in diesem Jahr Plukon mit 87 Prozent sowie PHW/Lohmann (Wiesenhof, Bruzzler) und LDC mit jeweils 77 Prozent vorn. Der Report lobt insbesondere ihren Willen zu Transparenz und nachvollziehbaren Konzepten. Unternehmen wie Rothkötter und Sprehe – jeweils null Prozent – verweigerten sich jedoch dem Fortschritt weiter vollständig.

Der Masthuhn-Report 2025 zeige, dass Veränderungen möglich sind, wenn Unternehmen Verantwortung übernehmen, sagt Esther Erhorn, Leiterin Lebensmittel-Fortschritt der Albert Schweitzer Stiftung: "Wir sehen Erfolgsgeschichten wie bei Dr. Oetker und Hans im Glück, stoßen jedoch auch auf Widerstand wie bei McDonald's und Rothkötter.“ Solange aber marktprägende Player den Umbau blockierten, sei es für alle anderen umso schwerer, ihre Ziele zu erfüllen: „Millionen Tiere müssen weiter unter Qualzucht und schlechten Haltungsbedingungen leiden.“

Die Ergebnisse in Grafiken:




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