40 EU-Parlamentarier fordern Ende der Stopfleberproduktion

40 EU-Parlamentarier fordern Ende der Stopfleberproduktion

Praxis gilt als besonders grausam

Grausame Praxis: Stopfleber-Mast. Foto: Animal Equality / Aitor Garmendia

Die Abgeordneten wenden sich an die EU-Kommissare für Tierschutz und Landwirtschaft, die zuvor eine Fortführung der Praxis ermöglich hatten.

40 Abgeordnete des Europäischen Parlaments aus 15 Ländern fordern in einem Brief an die EU-Kommissare Olivér Várhelyi (Gesundheit und Tierschutz) und Christophe Hansen (Landwirtschaft und Ernährung) das Ende der Stopfleberproduktion in der Europäischen Union (EU). Das berichtet die Tierschutzorganisation Animal Equality.

Die tierschutzwidrige Methode, bei der Gänsen und Enten zwangsweise Futter eingetrichtert wird, wird neben Frankreich, das als historischer Hort der „Foie gras“ – zu deutsch „fette Leber“ – gilt, auch noch in Belgien, Spanien, Bulgarien und Ungarn praktiziert. Aus allen diesen Ländern haben auch Abgeordnete den Brief an die beiden EU-Kommissare unterschrieben – mit einer Ausnahme: Ungarn. Aus Ungarn kommt der Tierschutz-Kommissar Olivér Várhelyi.

Sieben deutsche Abgeordnete unter den Petenten

Aus Deutschland fordern sieben Abgeordnete ein Ende der Stopfleber-Produktion:

  • Martin Häusling (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Erik Marquardt (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Jutta Paulus (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Maria Noichl (SPD)
  • Timo Wölken (SPD)
  • Manuela Ripa (ÖDP)
  • Sebastian Everding (Tierschutzpartei)

Animal Equality hat parallel die Treffen der beiden angeschriebenen EU-Kommissare ausgewertet. Demnach haben diese sich wesentlich häufiger mit Vertretern der Agrarlobby als mit solchen des Tierschutzes getroffen. Im Februar und Juni 2025 trafen Várhelyi und Hansen zudem Vertreter der Stopfleber-Lobby („Euro Foie gras“).

Nach diesen Treffen verabschiedete die EU-Kommission im Oktober 2025 eine überarbeitete Verordnung zu Vermarktungsstandards für Geflügelprodukte. Die umstrittenen Mindestgewichte für Foie gras – mindestens 300 Gramm für Entenlebern, 400 Gramm für Gänselebern – blieben dabei unverändert. Diese Gewichte können jedoch faktisch nur durch Zwangsmast erreicht werden und machen die grausame Praxis damit de facto zur Vorschrift. Bei einer vorangegangenen öffentlichen Konsultation hatten sich 90 Prozent der Stimmen aus allen Mitgliedstaaten für die Streichung dieser Anforderungen ausgesprochen.

EU-Kommissare trafen sich mit Stopfleber-Lobby

In ihrem Brief an die Kommissare weisen die EU-Abgeordneten nun darauf hin, dass die Vermarktungsstandards für Stopfleber aus den 90er Jahren stammen – also bevor Tiere in den EU-Verträgen als empfindungsfähige Lebewesen anerkannt wurden. Die Praxis der Zwangsfütterung wurde mittlerweile sowohl von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als auch vom Wissenschaftlichen Ausschuss für Tiergesundheit und Tierschutz der EU verurteilt.

„22 von 27 EU-Ländern haben die Stopfleber-Produktion verboten“, sagt Vanessa Raith, Direktorin von Animal Equality Deutschland. Selbst Abgeordnete aus Produktionsländern wie Frankreich und Spanien forderten jetzt ein Ende der Zwangsmast, so Raith: „Nur die EU-Kommissare hören lieber auf die Foie gras-Lobby als auf Wissenschaft, Bürger:innen und das Europäische Parlament. Das ist inakzeptabel.“

EU-Verbot wird umgangen

Generell ist die Produktion von Stopfleber in der EU bereits seit 1999 verboten, doch Frankreich umgeht das Verbot, indem es die Foie gras nach einer Übergangszeit 2005 zum „nationalen und gastronomischen Kulturerbe“ erklärte; ähnlich sind bislang die Regelungen in den vier anderen Produktionsländern.

Bis zu fünf Mal täglich wird Enten und Gänsen bei der Stopfleberproduktion zwangsweise Futter über einen Trichter und ein Rohr zugeführt. Import und Konsum der grausam produzierten Delikatesse sind in der gesamten EU legal. Viele Köche verwenden heute jedoch ungestopfte Gänse- oder Entenleber, deren Geschmack durch Gewürze der Foie gras angenähert wird. Darüber hinaus gibt es inzwischen vegane Alternativen aus Cashewnüssen, Rote-Bete-Extrakt, Kokosöl, Linsenmehl, Cognac und Gewürzen. In Frankreich wird überdies an einer Laborlösung für Foie gras geforscht.

Bereits Anfang des Jahres hatte die European Food Safety Authority (EFSA) eine geringere Besatzdichte in der Putenzucht gefordert.

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